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Tabellarischer Lebenslauf (pdf)
Wo komme ich her?
Ich lebe seit 1986 in München. Und ich bin sehr gerne hier.
Wegen der Bäume, der Staatsbibliothek
und wegen dem Fluß, der für alle zur reinen Freude da zu sein scheint. Ich bin hierher gekommen,
weil wir Kölner die Bayern zwar nicht verstehen, aber ziemlich originell finden.
Ich bin 1965 in Köln geboren. Einer der letzten geburtenstarken Jahrgänge, in denen die Welt noch
ganz anders war als nur drei Jahre später.
Mein Opa war der Förster von Maria-Laach, meine Oma die Förstersgattin. Maria-Laach liegt
in der Vulkaneifel am größten Vulkankratersee in Deutschland. 7 km muss man laufen, wenn
man einmal um den Laacher See wandern will. Von Köln aus bin ich mit meinen Eltern und meiner Schwester oft
dorthin gefahren. Wir waren außer den Inhabern der Laacher Mühle
die einzigen "weltlichen" Bewohner. Meine Mutter ist am Rande der Klostermauer aufgewachsen,
mein Vater hat sie nicht weit davon entfernt - im Visier seiner Rollei -
gefunden, als sie im Friseurkittel und mit Lockenwicklern gespickt das große, runde
Fenster im Forsthaus putzte.
Sieben Monate später wurde an Silvester geheiratet.
Im Jahr darauf kam ich zur Wintersonnenwende auf die
Welt.
Ich liebte es, im Laacher Wald zu singen, suchte immerzu nach Glimmer im Schiefer und nach
Versteinerungen. War fasziniert von kleinen Pflanzen und hatte eine Sammlung von über
einhundert verschiedenen Kakteen und Wolfsmilchgewächsen.
Ich half ab dem Alter von zwölf Jahren in der Gärtnerei von Maria-Laach aus, verliebte mich
in den weltlichen Obergärtner Siegfried Freiherr von Kießling, der schon
meine Mutter heiraten wollte. Meine Mutter fand, er sei ein Schürzenjäger,
drum hatte sie ihn nicht geheiratet.
Sein erster Liebesbrief an mich war mit dunkelrotem Seidenpapier gefüttert, und
er hatte seinen Zeilen einen Eibenzweig hinzugefügt. Der Brief begann so: "Mein kleines,
dickes Weibchen!" Siegfried konnte alle Pflanzennamen
auswendig und auf lateinisch. Dafür liebte und bewunderte ich ihn ganz besonders.
Ausbildung
Ich bin mit allen katholischen Wassern gewaschen. Wie es sich für Köln
gehört. Und dazu gehört eben auch eine Ausbildung am Mädchengymnasium
der Ursulinen.
Nach bestandenem Abitur bin ich dann ins Leben ausgezogen.
Erst als Au-Pair-Mädchen nach Paris, wo ich im 7. Himmel wohnte, mit Stehklo auf dem Gang
und dann schließlich 1987 nach München, um Kunstgeschichte, Volkskunde und Komparatistik
zu studieren.
Studienbegleitend führte ich alle möglichen Tätigkeiten aus:
Vom nächtlichen Butterbrezn schmieren, zur Wurstküchenaushilfe,
über die Immobilienbranche,
die Luft- und Raumfahrttechnik, bis hin zu ersten Aushilfstätigkeiten in der
Münchener Galerie Klaus Lea. In den Semesterferien kehrte ich regelmässig
ins Bergische Land bei Köln zurück, um beim Bauern Hubert Wachauf
meine Kenntnisse im Traktorfahren
und im Strohernten zu vertiefen. Mir war das eine fundamentale Ergänzung zum
hochgeistigen Anspruch meiner Studien.
Während dem Studium beschäftigte mich meine Liebe zu Themen der französischen
Kunstgeschichte, die dann schließlich in meiner Magisterarbeit über die
Schlachtochsengemälde von Chaim Soutine gipfelten. Ich hatte das besondere Vergnügen,
Soutine’s wichtigste Sammlerin, Madeleine Castaing, im Alter von 99 Jahren, mit strahlenden
Augen (das linke war aus Glas) und in einem rosa-weiß gestreiften, spitzenbesetzten Seidennégligé
kennenzulernen. Ich war überglücklich gewesen, nach drei Tagen Wartezeit
in Paris, von Ihrem Diener zu erfahren: "Madame vous attend."
Madame ließ es sich
nicht nehmen, mich durch ihre Zimmerflucht zu begleiten, während zwei livrierte "Grooms"
sie unter die Arme gepackt hatten und mich an den Wänden mit zerschlissenen
Seidentapisserien und Originalen Chaim Soutines entlangführten. Im Anschluss
daran brachte man mir ein kleines Schemelchen und ich setzte mich zu Füßen
von Madame, die mir mit weiterhin strahlenden Augen, all die Geschichten
über Soutine erzählte, von denen ich bereits in Büchern gelesen hatte.
Madame liebte meinen weinroten Filzhut mit der breiten Krempe, den ich zu diesem Anlass vom fast
letzten Geld im
Monoprix erworben hatte.
Sie sagte zu mir: "Vous êtes une vraie Soutinienne." Drei Monate später ist sie gestorben.
Der Malerei von
Chaim Soutine war ich buchstäblich verfallen. Sie hatte sich in mein Inneres wie ein
Brandzeichen eingeprägt. Mir war mein Verhältnis zu den Gemälden von
Chaim Soutine sehr rätselhaft.
Und doch ist dieses Verhältnis der Schlüssel zu meiner Beziehung zu Kunstwerken,
vor allem dann, wenn ich das Brandzeichen spüre. Aus dieser Berührung
heraus gestalte ich meine Arbeit und meinen Umgang mit Kunst und Künstlern.
Nach drei Jahren, die ich ausschließlich mit Soutine zugebracht hatte, beendete ich
1996 mein Studium mit dem Abschluß des Magister Artium.
Berufliches
Meinen allerersten Text über ein Bild schrieb ich 1984 auf die Bitte eines Künstlers hin,
der mich als Briefschreiberin kannte.
Er war der erste Bildende Künstler gewesen, den ich je kennengelernt hatte. Nach Wochen
(voller reiflichster Überlegungen und redlich von Unsicherheit geplagt) schickte ich
ihm endlich einen kleinen Text, den er sehr mochte und auf den hin er mich bat, eine Rede zu seiner Vernissage zu halten.
Ich schrieb die Rede, fuhr von Köln nach Salzburg, um sie zu halten und bestand mit klarer Stimme – eingelassen in zwei durch und durch schlotternde Puddingknie.
Das war noch vor meinem Studium der Kunstgeschichte und ich
war weit davon entfernt, mir ein Leben als Texterin vorstellen zu können.
Ebenfalls wie die Jungfrau zum Kind, kam ich direkt nach meinem Studium "zum Film". Ich arbeitete freiberuflich
fünfeinhalb Jahre in einer kleinen Münchener Filmproduktion, der AVISTA FILM.
Eine Produktion, die sich bislang ausschließlich Kinofilme geleistet hat und
voller Idealismus und verschiedenster Seelen steckt.
Parallel schrieb ich immer wieder Texte für Künstler, hielt mit einem Auge
nach der "Frau Kunst" Ausschau, während ich mit dem anderen im Kino saß oder
Drehbücher las.
Nachdem ich ungefähr wußte wie man Kinofilme produziert, habe ich mich
für meine Texte entschieden.
Am 11. September 2001 kam ich am Nachmittag in die Galerie Barbara Gross. Ich erzählte
einer Galeriemitarbeiterin, was ich unmittelbar zuvor gehört hatte und bat sie, mich
nicht für verrückt zu halten. Sie hielt mich für verrückt, blieb aber
locker und fragte mich, ob ich mich nicht erst mal setzen wolle und brachte mir ein Glas Wasser.
So lernte ich Dina Renninger kennen und schreibe heute Pressetexte für ihre Galerie
Dina4 Projekte.
Insgesamt sind nun sechs Jahre vergangen, in denen ich hauptberuflich
als Kunsthistorikerin und Texterin tätig bin.
Kunst ist dabei manchmal wie ein Nadelöhr durch das man hindurchsteigt, um plötzlich und auf der anderen Seite an
unerwartete Schätze zu gelangen.
Interessen
Seit ich sieben Jahre alt bin spiele ich Flöte: Blockflöte,
Querflöte, Traversflöte, Tinwhistle, Shakuhachi, Bansuri und Ney. Meine Flöten
begleiten mich. Ich spiele Flöten bei der Gruppe LAUTLOS (Percussion & mehr) und ersetze mit der Böhmflöte die erste Geige in einem Streicherensemble. Ich schreibe Texte, male kleine Bilder und
bin Mitglied in einer Kung Fu Schule. Ich lerne Nepali und möchte gerne nach Nepal reisen.
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